Was heißt Erlösung?
Die Begriffe Erlösung, Wiedergutmachung, Sühne, Rechtfertigung und Opfer sind Teil der christlichen Erlösungslehre. Wo diese Wörter auch im Alltag vorkommen und was der Glaube darunter versteht, machte Kardinal Schönborn am Sonntag in seiner fünften Katechese deutlich.
"Es war für ihn eine Erlösung, sagen wir, wenn jemand nach langem Leiden stirbt", so Kardinal Christoph Schönborn in der Katechese zum Thema "Was heißt Erlösung?" am Sonntag, 14. Februar 2010, im Stephansdom. Es stimme nicht ganz, wie von manchen Theologen behauptet werde, dass die Begriffe der christlichen Erlösungslehre heute fremd geworden seien. Oft sei nur die Verbindung zwischen den Wörtern und dem Glauben nicht bewusst. Von "Wiedergutmachung" spreche man etwa, wenn man jemanden verletzt hat und die Angelegenheit durch Worte oder Gesten "wiedergutmachen" will. Das Wort "Sühne" spiele in der Rechtssprechung eine Rolle, wenn durch eine Tat oder Leistung etwas gesühnt wird, was als schwere Schuld geschehen ist. "Rechtfertigung" käme im Alltag dort vor, wo man sich für etwas, das man getan hat, "erklären" muss oder etwa wenn man aus einer ungerechten Situation "gerechtfertigt" hervor geht und der Ruf wieder hergestellt wird. "Opfer" bringe man beispielsweise, wenn man Zeit schenkt. Ein großes Opfer bringt jemand, der um der Wahrheit willen seine Karriere aufs Spiel setzt.
Erlösung heißt "Freikaufen"
"Es gibt keinen Menschen, für den Jesus nicht gelitten hat", erinnerte Kardinal Schönborn an einen Konzilstext.
Das Wort "Erlösung" erklärte Kardinal Schönborn von der Bibel her: Erlösung bedeutet "Loskaufen". In der englischen Sprache etwa sei dies deutlicher, dort ist der Erlöser der "Redeemer", jemand, der etwa zurückkauft. Gemeint sei: "Gott hat uns zurückgekauft, wir waren verkauft, wir waren in der Macht eines anderen." Das Wort komme aus der Sklavensprache. Dabei erinnerte der Wiener Erzbischof an den Orden der Mercedarier, die sich zur Aufgabe gemacht haben, christliche Sklaven zurück zu kaufen. Warum aber, so frage man sich, muss der Mensch "zurückgekauft" und "erlöst" werden? Dass der Mensch erlösungsbedürftig ist, sei heute oft gar nicht so selbstverständlich, oft werde uns erst in der Begegnung mit dem lebendigen Gott bewußt, was uns fehlt.
Plan Gottes und menschliche Freiheit
Über den Tod Jesu sagt der Katechismus (Nr. 599), dass er zum "Mysterium des Planes Gottes" gehöre. Gleichzeitig wird dabei an die Pfingstpredigt des Petrus erinnert, in der Petrus festhält, dass die Menschen Jesus umgebracht haben. Der "Plan Gottes" und die "menschliche Freiheit" seien kein Widerspruch und der Mensch nicht etwa eine "Marionette" Gottes, betonte Kardinal Schönborn und berichtete von einem ihm bekannten Ehepaar, das ein Marionettentheater betreibt. Das Ehepaar erklärte ihm, der Marionettenspieler bewege zwar die Marionette, aber die Marionette hätte auch ein Eigenleben, eine Persönlichkeit.
Auch Gott trage alle unsere willentlichen und körperlichen Bewegung, dennoch sei nicht alles vorausbestimmt, betont Kardinal Schönborn. Das größte Geschenk Gottes sei die Freiheit, aber sie bleibe ein Geschenk Gottes. Gott lasse die Taten des Menschen zu, auch die Sünde, die Ablehnung des Gottessohnes, und verwirkliche seinen Heilsplan durch die Fehler des Menschen hindurch: "Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade", so der Wiener Erzbischof.
Jesus machte sich den Plan Gottes zu eigen
Das innerste Geheimnis der Erlösung ist die Liebe, so der Kardinal.
Gottes Plan sei von der Heiligen Schrift im Voraus angekündigt worden, wie der Katechismus (Nr. 601) festhält. Die Leidensgeschichte Jesu sei vor allem eine Erfüllung der beim Propheten Jesaja (Jes 53) vorausgesagten Leiden. Der Plan Gottes sei so alt wie die Welt.
Warum aber kann Gott so etwas wollen, fragte Kardinal Schönborn und verwies auf die theologischen Versuche, dies zu ergründen: Gott habe seinen Sohn nicht verworfen, sondern "mit der Sünde beladen". Und der Sohn sei bewusst auf seine Stunde zugegangen. Der Ruf Jesu am Kreuz - "Mein Gott warum hast du mich verlassen" - sei nicht als Verzweiflung zu verstehen, sondern darin hat er, wie der Katechismus sagt, "alle Not und Gottverlassenheit der Menschen in sein Opfer hineingenommen hat". Jesus Christus werde dadurch zu unserem Erlöser, indem er sich den Heilsplan Gottes zu eigen macht. Dieser Plan Gottes aber sei "unser Heil, absolut und grenzenlos", betonte Kardinal Schönborn. Hier sei unser Gottesbild angefragt. Der Katechismus hält dazu fest (609): "Da Jesus die Liebe des Vaters zu den Menschen in seinem Herzen aufnahm, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung", darum ging der Sohn in "souveräner Freiheit" seinem Tod entgegen.
Opfer - Gottes Angebot zur Versöhnung
Wenn der Tod Jesus als "Opfer" bezeichnet werde, dann sei damit die "Wiederherstellung einer Verbindung", der Verbindung zu Gott gemeint. Etwa so, wie wenn man Zeit opfere, um jemandem nahe sein zu können. Das Opfer Jesu sei dabei "einmalig", weil es eine Gabe des Vater ist: "Nicht wir bringen Gott ein Opfer dar, sondern Gott schenkt uns seinen Sohn, damit wir mit ihm versöhnt werden", erklärte Kardinal Schönborn. Jesu Opfer meine nicht, dass er einen zornigen Vater beschwichtigen müsse, sondern den Willen des Vaters vollziehe und uns die Möglichkeit der Versöhnung schenkt.
Warum braucht es das Kreuz?
Das innerste Geheimnis der Erlösung aber sei die Liebe, Sühne sei eine Tat der Liebe, denn nur die Liebe gehe so weit, das jemand sein Leben gibt für die Freunde und schließlich für die Feinde, unterstrich der Kardinal. Dennoch entstehe die Frage: "Warum braucht es das Leid, warum das Kreuz, reicht nicht die Liebe?" Rational sei dies nicht mehr aufzulösen, meintw Kardinal Schönborn, doch eines sei sicher: "Angesichts dieser Liebe, die bis zum Äußersten geht, erkennen wir, wie viel uns an Liebe fehlt. Erst im Blick auf das Kreuz, wird deutlich, wie weit die Liebe Gottes geht und was Sünde heißt."
Schließlich bemerkt der Katechismus auch, dass die Menschen am Erlösungswerk teilhaben können. Das geschehe in besonderer Weise, wenn wir für andere beten oder wenn wir Schweres für andere aufopfern. Dabei wurde die Mutter Jesu am tiefsten in das erlösende Leiden hineingenommen, bemerkte Kardinal Schönborn zum Abschluss.
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(red)