5. Gott hat uns zuerst geliebt
Wie kommt Franz von Sales zu dieser wirklich alles umfassenden Theologie der Liebe? Seine Grundannahme ist, dass Gott seinem Wesen nach Liebe ist. Und daraus folgert er, dass der Mensch als Ebenbild Gottes ebenso seinem Wesen nach Liebe sein muss. Gott ist also das Entscheidende Kriterium für den großen Stellenwert der Liebe. „Gott hat uns zuerst geliebt“ - Franz von Sales wird nicht müde, uns immer wieder darauf hinzuweisen. Diese Liebe Gottes zu uns Menschen ist dann auch der wichtigste Grund, warum wir Menschen einander und uns selbst lieben sollen.
Gott hat uns zuerst geliebt. Noch bevor wir überhaupt von uns selber wussten, wusste Gott von uns und liebte uns mit einer unendlichen Liebe, so als wären wir die einzigen Wesen auf der ganzen Welt. Jeder einzelne Mensch wird von Gott einzigartig geliebt. Diese einzigartige Liebe Gottes zu uns Menschen erhält seinen größten Beweis durch die Menschwerdung Gottes und den Tod Jesu am Kreuz. Jesus selbst sagt seinen Jüngern: „Es gibt keine größere Liebe als die, wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde“ (Joh 15,13). Genau das hat Jesus getan. Er gab sein Leben hin für uns Menschen, damit wir Menschen gerettet werden.
Ein Mensch, der dieses Wunder übergroßer Liebe ernsthaft betrachtet, kann darauf wirklich nur mit Liebe antworten: mit Liebe zu Gott, zu seinen Nächsten und zu sich selbst.
Der Mensch kann dann einfach nicht anders als mit Freude das verwirklichen, was Jesus seinen Jüngern sagte: „Dies trage ich euch auf, liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!“ (Joh 15,12).
6. FRAGEN ZUM NACHDENKEN
•Was bedeutet für mich die Aussage: Der Christ ist ein liebender Mensch?
•Was verbinde ich persönlich mit dem Wort „Liebe“?
•Wo erlebe ich mich im Umgang mit Gott, mit den Mitmenschen und mit mir selbst lieblos?