Scholastika
Veröffentlicht am 4. Juli 2009, von Scholastika

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Auszug aus einem Vortrag in Aigen an der Sommerakademie 2007 von MonsignoreChristoph Casetti,Bischofsvikar

Charismatische Heilungen

Vielleicht weil die Kirche im vergangenen Jahrhundert zu sehr mit weltanschaulichen und kontroverstheologischen Fragen besch$ftigt war, vielleicht weil sie zu sehr um sich und ihre eigenen Probleme kreiste, vielleicht weil sie die leibseelische Not vieler Menschen zu wenig ernst nahm, hat der Heilige Geist in den charismatischen Bewegungen eine Erneuerung der Kirche von innen in die Wege geleitet. Fr diese Erneuerung im Geiste Gottes ist die Heilung an Seele und Leib ein zentrales Thema. Ausgangspunkt dieser Bewegungen ist nicht eine Theorie, sondern die Erfahrung von Charismen. Die Heilige Schrift kennt besondere Gnadengaben des Heiligen Geistes. In Anlehnung an die Redeweise des Apostels Paulus werden sie Charismen, Gnadengaben, genannt (vgl. 1 Kor 12). Paulus zhlt die folgenden Gaben auf: Weisheit mitteilen, Erkenntnis vermitteln, Glaubenskraft, Krankheiten heilen, prophetisches Reden, Unterscheidung der Geister, verschiedene Arten von Zungenrede und die F줤higkeit, diese auszulegen, die Kraft, Wunder zu tun, helfen, leiten. Der Katechismus der Katholischen Kirche weiss um die Existenz der Charismen (KKK 799): "Die Charismen, ob aussergewhnliche oder schlicht und bescheiden, sind Gnadengaben des Heiligen Geistes, die direkt oder indirekt der Kirche dienen: sie sind zum Aufbau der Kirche, zum Wohl der Menschen und fr die N漶te der Welt geschenkt". Diese Gaben sind dankbar entgegenzunehmen (vgl. KKK 800). Sie sind aber auch Aufgaben. Sie dienen der Erneuerung der Kirche. Um sicher zu sein, dass es sich wirklich um Gaben des Heiligen Geistes handelt, ist es stets notwendig, dass die Charismen von den Hirten der Kirche geprft werden (Vgl. KKK 801).

In der charismatischen Erneuerung vollzieht sich eine heilende Seelsorge vor allem in Gebetsgottesdiensten, Vortrgen, Einkehrtagen und Exerzitien. Weil es um die Erneuerung der Kirche im Heiligen Geist geht, spricht man besser von Erneuerungsexerzitien als von charismatischen Exerzitien. Neben einer elementaren Katechese geht es bei solchen Veranstaltungen immer auch um Heilung an Seele und Leib und um Befreiung von d줤monischen Einflssen. Die bisherige Biographie der Teilnehmenden, auch die Zeit vor der Geburt, sowie die Beziehungen zu den Familienangehrigen und den Vorfahren werden Gott zur Heilung 춼bergeben. Im Leitungsteam solcher Exerzitien sind Personen, welche die notwendigen Gnadengaben erhalten haben. Hier geht es vor allem um die Gabe der Heilung, der Erkenntnis, der Unterscheidung und der Befreiung. Ein Exerzitienleiter aus Indien hat sich dahingehend geussert, dass die Heilungen von der Intensitt der Vorbereitung abh䤤ngen. In seiner Heimat gebe es mehr Heilungen, weil die Menschen sich viel lnger und tiefer darauf vorbereiteten, als er das in Europa beobachtet habe.

Diese Bewegungen haben Wurzeln in der "Pfingstbewegung", einer Frmmigkeitsbewegung seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Etwa Mitte des vergangenen Jahrhunderts kam es mit der Charismatischen Bewegung, wiederum ausgehend von den Vereinigten Staaten zu neuen charismatischen Aufbr䶼chen. Beginnend in Gebetskreisen von anglikanischen, lutherischen und presbyterianischen Gemeinden, sprang die Bewegung 1967 auf die katholische Kirche ber, wo sie zu starker Wirkung und Ausbreitung gelangte. P. Emiliano Tardif, ein bedeutender Vertreter der charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche bezeichnet diese als eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils. Sowohl der selige Papst Johannes XXIII. als auch die Mystikerin Marthe Robin durften der Kirche ein neues Pfingsten voraussagen. Charakteristisch fr die charismatische Bewegung ist, dass sie innerhalb der traditionellen Kirchen auftrat und in ihrem Rahmen verblieb. Die katholische Hierarchie hat sich ihr gegen켼ber grundstzlich positiv verhalten. Eine franzsische Publikation des vergangenen Jahres z䶤hlt ber 40 Orte bzw. Gruppen und Gemeinschaften auf, wo in Frankreich innere Heilung im christlichen Sinn erfahren werden kann.

Etwa gleichzeitig wie in den USA und Kanada entstanden charismatische Aufbrche auch in Indien, ohne dass die beiden Bewegungen zun켤chst voneinander wussten. So gibt es inzwischen in Indien eine Reihe von Evangelisierungszentren, welche Exerzitien im Sinne der Erneuerung im Geist anbieten. Teams aus Patres, Schwestern und vereinzelt auch Laien sind seit einigen Jahren auch in Europa ttig. Sie halten Tagungen und Exerzitien im Bereich der Glaubenserneuerung. Es wird einerseits viel Positives ber deren T伤tigkeit bei uns berichtet, aber es gibt andererseits auch Einwnde und Vorbehalte gegen deren Art, wie sie bei uns auftreten.

Um mir ein Urteil zu bilden und als Vertreter des Bischofs, habe ich schon verschiedentlich bei solchen Exerzitien mitgewirkt - teils als Beichtvater, teils als Teilnehmer, teils als Zelebrant. Ich komme ungefhr zur gleichen Beurteilung wie ein von der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz in Auftrag gegebenes, aber bisher nicht publiziertes Gutachten. Positiv ist, dass die Teams aus Indien es verstehen, die Freude am Glauben zu wecken. Das 䤼bliche traditionalistische und progressistische Jammern ber den schlimmen Zustand der Kirche fehlt fast ganz. Die "Inder" halten Elementarkatechesen, gespickt mit Zitaten aus der Heiligen Schrift und gewrzt mit Erfahrungen und Anekdoten aus Indien. Sie sprechen in ihrer Art Menschen aller Generationen an. Vom Kind bis zu den Grosseltern singen alle fr켶hlich und manchmal fast zu laut das Halleluja. Die Eucharistie und auch die Anbetung sind zentral. Intensiv werden die Teilnehmenden auf Vergebung und Vershnung, besonders aber auch auf das Sakrament der Beichte vorbereitet. Heilungs- und Befreiungsgebete gehren regelm涤ssig dazu. Wo Heilungen geschehen, wird zum Zeugnis und zum Gotteslob eingeladen. Und es werden immer wieder innere und ussere Heilungen sowie Befreiungen glaubwrdig bezeugt. Die Glaubensverk似ndigung ist manchmal etwas wenig differenziert und etwas nach der "Holzhammermethode". Aber dies soll in Volksmissionen frherer Jahrzehnte auch schon vorgekommen sein.

Was ist zu den Heilungen zu sagen? Einerseits gibt es in der charismatischen Erneuerung glaubwrdig bezeugte mehr oder weniger "spektakul켤re" Heilungen. Dies fhrt dazu, dass manchmal Kranke mit einer ungeheuren Erwartungshaltung an solche Veranstaltungen kommen. Die Art, wie z.B. die "Inder" gelegentlich ber Heilung reden und Zeugnisse provozieren, kann "Heilungen" ausl켶sen, welche mehr auf Suggestion als auf dem Wirken des Heiligen Geistes beruhen. Solche "Heilungen" sind dann auch nicht nachhaltig. Mir scheint, dass die "Inder" inzwischen vorsichtiger geworden sind. Sie reden deutlicher auch davon, dass es nicht nur eine physische Heilung geben kann, sondern dass die innere, seelische Heilung wichtiger ist. So, wie es die Erfahrung von Lourdes zeigt, kann eine Heilung auch darin bestehen, dass ein Mensch die Kraft bekommt, sein Leiden anzunehmen und mit dem Leiden Christi zu vereinen.

Mehr zum Thema: Charismatische, Erneuerung, Heilungen
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Siegfried-Karl schrieb am 5. Juli 2009
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Vielen Dank fr die Mitteilung dieser Betrachtungsweise.


Dieser kann und mu ich inhaltlich zustimmen. Bei meinen Pilgerfahrten nach Lourdes, als Betreuer von Kranken, habe ich die Erkenntnis gemacht; da쟟 viele Kranke sehr dankbarf<r das erhalten Wunder sind, die Kraft zu erhalten, wieder fr eine Zeit das Leiden anbzunehmen und mit und durch Jesus Christus in Liebe tragen zu knnen.</FONT>


Da wir heute alles nur rationell betrachten und beurteilen, fehlen uns Menschen diese Erkenntnisse. Diese k춶nnnennur im Umgang mit leidenden Menschen gewonnen werden


Beste Gr<e Siegfried.</FONT>

Siegfried-Karl
SandraSabine schrieb am 5. Juli 2009
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Vielen lieben Dank fr Deinen Blog liebe Scholastika!!! So empfinde ich es auch so wie Du es schreibst.


Wenn man von einem Heilungsgottesdienst k젶rperliche Heilungen erwartet, kann es durchaus m6glich sein, diese zu bekommen, a b e r, wer wei, ob Gott dies so auch will und ob es gut f߼r uns ist? Gott will immer das Beste fr uns, also fr unsere innere Heiligung. Und so wirkt er auch an uns auch wenn wir es als ungerecht oder anders empfinden. Aber das ist unser pers켶nlicher Weg, den Gott uns schenkt, damit wir, wenn wir ihn in Liebe gehen, zu ihm gelangen in die ewige Herrlichkeit.


Heit es nicht, D E I N W I L L E G E S C H E H E ?


Viel viel wichtiger denke ich sind die vielen seelischen Heilungen, die dort geschehen. Die Bewutwerdung ߼ber die eigene Sndhaftigkeit und wo sie steckt. Und dass die innere Reinigung in Gang gesetzt wird also eine Erneuerung im Geiste.


Der Geist weht wo er will, nicht wo wir wollen.


Besonders die Jugendlichen sprechen charismatische Gottesdienste an. Bei einem Pater, bei dem ich beim Gottesdienst war, erzhlte, dass die Jugendlichen in seinem Ort nicht mehr in die Disco gehen w줼rden, sondern viel lieber zu ihm in die nchtliche Anbetung und Eucharistie bis in die Mogenstunden hinein. Dann wrden sie noch zusammensitzen danach beim Grillen ect. Er unternimmt auch viel mit ihnen, Radtouren u.s.w.


Ich denke, Gottesdienste k伶nnen so und so gestaltet sein. Stille Gottesdienste mit Wertlegung auf den Ritus, laute Gottesdienste mit viel Lobpreis, Heilungsgottesdienste mit Wehen des hl. Geistes und Erneuerung im Geist...........


Ich fand insgesamt diese Gottesdienstesehr sehr sehr positiv, aber man muss schon ausw$hlen und schauen, zu welchen man geht. Ich empfehle nur katholische und solche Priestern/Patern, die gut bekannt sind und z. B. auch mehrtgige Exerzitien leiten.



SandraSabine