Scholastika
Veröffentlicht am 8. Februar 2011, von Scholastika
Zölibat – Berufung der Liebe, der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Der um des Himmelreiches willen zölibatär lebende Mensch, ob Mann, ob Frau, hat die Liebe zu Gott in das Zentrum seines Lebens gestellt. Für ihn gibt es nichts Wichtigeres, als Gott in allen Dingen zu gefallen, auf Gott zu hören und Gott mit ganzem Herzen, ganzer Kraft, ja mit seinem ganzen Sein zu lieben. Aus dieser hingebenden Liebe zu Gott wächst ganz natürlich auch eine hingebende Liebe zu den Mitmenschen. Das Herz weitet sich, wird dem Herzen Gottes ähnlich und umfasst die ganze Menschheit.
Der Gott geweihte Zölibat ist keine Berufung zum Egozentrismus, zur Eigenbrötlerei und zur Selbstsucht. Das Gegenteil ist der Fall. Der Apostel Paulus schreibt im 1. Kor, 7, 32 -34
Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt.
Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen.
Das sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen könnt.

Mit der Sorglosigkeit, die Paulus hier anspricht, ist nicht ein Leben der Bequemlichkeit und des Wohlseins gemeint. Er denkt an die alltäglichen Sorgen die es mit sich bringt, wenn man Frau und Kinder hat. Familie schafft Verantwortung, der sich der Mann nicht entziehen kann und darf!
Der um des Himmelreiches willen unverheiratete Mensch sorgt sich um die Sache des Herrn. Was ist aber die Sache des Herrn? Was wünscht Gott? Gott wünscht sich nichts sehnlicher, als dass alle Menschen IHN finden. So hat der zölibatär lebende Mensch, sich darum zu kümmern, dass die Menschen zu Gott finden. Das soll seine ganze und einzige Sorge sein.

Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, ist nur lebbar, wenn der zölibatär lebende Mensch eine ganz tiefe Gottesbeziehung hat. Genau wie auch christliche Ehe nur lebbar ist, wenn die Gatten eine ganz tiefe, innige Beziehung nicht nur auf körperlicher Basis, sondern vor allem auf geistiger und seelischer Grundlage haben.
Um diese Beziehung zu Gott zu nähren, muss der ehelos Lebende sich immer darum bemühen, mit Gott im Gespräch zu bleiben, zu beten, auch und vor allem in Zeiten der Trockenheit. Da heisst es treu bleiben, durchhalten, auch wenn die Welt mit all ihrer Verführung lockt! Als zölibatär lebender Mensch, wie auch als Christ, lebt man zwar in der Welt, aber man ist nicht von der Welt!
Auch als in der christlichen Ehe lebender Mensch, ist man berufen treu zu sein, auch wenn der Ehehimmel nicht immer rosarot leuchtet. Auch hier gilt es, mit dem Ehepartner im Gespräch zu bleiben. Jeden Tag sein JA zum Partner zu erneuern. Weder die christliche Ehe noch die Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen sind „einfache“ Berufungen.
Die christliche Ehe dient durch die Fruchtbarkeit der Eheleute dazu, in der Weitergabe des Lebens den Schöpfungsplan Gottes zu erfüllen.
Der Zölibat seinerseits führt auch zur Fruchtbarkeit. Durch den Sauerteig des für die Welt anstössigen Verzichts auf körperliche Fruchtbarkeit, öffnet er den Menschen den Weg zum Glauben an Gottes Vatergüte und durchsäuert das Gefüge der Welt und trägt so dazu bei, den Heilsplan Gottes mit uns Menschen zu erfüllen.

Der um des Himmelreiches willen zölibatär lebende Mensch, gibt mit seinem
Verzicht auf die eheliche Liebe ein Zeugnis, das in die Zukunft weist. Als die Jünger Jesus damals fragten, welchem von den sieben Brüdern die Frau, die den einen Bruder jeweils nach dem Tod des vorhergehenden geheiratet hatte, nach der Auferstehung von den Toten, als Ehefrau angehören wird, gab Jesus folgende Antwort: Nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sie werden sein wie die Engel im Himmel.

Der Zölibat ist eine Zukunftsweisende Berufung, die weil sie sich so ganz von dem triebhaften Wesen der Welt abhebt, für diese Stein des Anstosses ist. Reinheit, Keuschheit, Enthaltsamkeit sind dem Weltgeist ein Dorn im Auge. Deshalb setzt er alles daran den Menschen, diese Tugenden als lächerlich und veraltet hinzustellen.

Auch für Menschen, die zum Eheleben berufen sind, gilt es Reinheit, Keuschheit und
Enthaltsamkeit zu üben. Wahres Glück, sowohl in der Ehe, als auch im, um des Himmelreiches willen, ehelosen Leben, erreicht nur der Mensch, der diese Tugenden pflegt.

Nicht das Ausleben jeder triebhaften Regung, nicht das Ausschöpfen all dessen, was die Welt zu bieten hat, macht den Menschen letztendlich vollkommen glücklich, sondern der Verzicht auf die kurzlebigen, trügerischen Freuden der Welt aus Liebe zu Gott, erfüllt den Menschen und lässt ihn Ruhe, Frieden und wahre Freude finden.
Jeder Mensch, der auf dem Weg des Gott geweihten Zölibats in der Nachfolge JESU steht, soll sich immer des Wortes Jesu erinnern, der zu jedem Einzelnen sagt: Nicht du hast mich erwählt, sondern ich habe dich erwählt und dich dazu bestimmt, dass du hingehst und Frucht bringst und dass deine Frucht bleibt! (nach Joh, 15,16)


Im Tagesgebet zum Dienstag der 5. Woche im Jahreskreis heisst es:
Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, im Neuen Bund berufst du Menschen aus allen Völkern und führst sie im Heiligen Geist zur Einheit zusammen. Gib, dass deine Kirche ihrer Sendung treu bleibt, dass sie ein Sauerteig ist für die Menschheit, die du in Christus erneuern und zu einer Familie umgestalten willst.

Der Gott geweihte Zölibat des Priesters und der übrigen Gott geweihten Männer und Frauen, ist der Sauerteig, der fähig ist, die Menschheit in Christus zu erneuern und zu einer Familie umzugestalten.

Sr. Elisabeth Stengele OCV
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love_shalom schrieb am 9. Februar 2011
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So ist es lieber Paul!

Es muss für die Priester mehr gebetet werden - es fehlt wirklich das Gebet. Der Teufel greift die Priester besonders an, deshalb müssen wir die Priester betend unterstützen - auf keinen Fall negativ über sie reden!
Ich selber bete täglich "intensiv" für die Priester und konnte dadurch feststellen, dass sie sich verändern - sehe es besonders an meinem geistigen Priesterpatenkind.
love_shalom
MFF schrieb am 9. Februar 2011
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Liebe Sr.Elisabeth, danke für deinen wertvollen Blog.

Lieber Manfred, ich möchte bei dieser Gelegenheit schon sagen, daß ich sehr gute Priester und insbesonders auch Nonnen kennengelernt habe, die aus meiner Sicht, dem Idealbild schon sehr nahe kommen.
Wie wir wissen haben wir alle Stärken und Schwächen , vielleicht setzen wir manchmal zu hohe Erwartungen an die Geistlichkeiten.
Liebe Grüße:
Paul
MFF
Scholastika schrieb am 9. Februar 2011
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Lieber waeltweit, Du hast recht! Was ich hier beschrieben habe ist der Idealfall zölibatären Lebens, so wie es die Heiligen gelebt haben und leben. Ich weiss, wie die Realität aussieht, doch ich wollte nicht dauernd schreiben, sollte und müsste.... verstehst Du?
Liebe Grüsse sr. Elisabeth
Scholastika
waeltwait schrieb am 9. Februar 2011
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Liebe Scholastika,

ach wenn es in der Paxis des Lebens nur 1% so wäre wie du schreibst:

Aus dieser hingebenden Liebe zu Gott wächst ganz natürlich auch eine hingebende Liebe zu den Mitmenschen. Das Herz weitet sich, wird dem Herzen Gottes ähnlich und umfasst die ganze Menschheit.

Das wäre schön

So habe ich den Beruf des Priesters früher auch gesehen, aber ich muss dir leider sagen, dass ich davon noch nie etwas gemerkt habe.

Ganz im Gegenteil. Desinteresse und das Gefühl Hochwürden zu belästigen.

Eben diese Nähe zu Gott ist die Voraussetzung für die Liebe zum Menschen. Völlig richtig erkannt. Aber haben unsere Priester diese Nähe ? Suchen sie überhaupt diese Nähe.

Ich meine man würde es spüren. Viele Priester scheinen mehr Intresse an ihrem in der Gesellschaft hervorgehobenen Stand zu haben als an Gott.
Was man in der Seele hat, stahlt nach aussen aus. Wer nichts hat oder zu wenig, kann auch nicht strahlen.

LG Manfred
waeltwait
Talita schrieb am 9. Februar 2011
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Werde es noch in Ruhe lesen, liebe Scholastika, aber erst einmal:

winkwinkwink !!!
Talita