Fulmarus
Veröffentlicht am 30. August 2010, von Fulmarus
In einem inzwischen gelöschten Thread zur Schönstattbewegung ist nach meiner Motivation, als Protestant hier in einer katholischen Community zu schreiben, gefragt worden. Ich hatte versprochen, darauf genauer einzugehen und möchte das nun etwas allgemeiner tun, also nicht auf das dortige Thema bezogen und auch nicht ausschließlich (aber auch!) dieses website hier betreffend.

Also: Wenn ich auf einem katholischen Forum schreibe, liegt es in der Natur der Sache, dass meine Ansichten und Erfahrungen z. T. von denen der Mehrheit der dortigen Nutzer und auch von der der Betreiber abweicht. Denn es gibt nun einmal Unterschiede in den konfessionellen Lebenswelten, sonst gäbe es diese Trennungen ja nicht.

Nun ist mir und anderen schon oft geschehen, dass die Darlegung einer Meinung schnell als persönlicher Angriff, als Beleidigung aufgefasst wurde. Auch dann, wenn es ander Form nichts zu beanstanden gibt. Ich schreibe zwar manchmal mit spitzer Feder, aber Verunglimpfungen anderer sind dabei meines Wissens noch nicht vorgekommen. Bestenfalls haben sich Diskussionspartner dann selbst durch eigene Aggressivität oder Blasiertheit bloßgestellt. Aber dafür kann ich dann nichts.

Oft kam auch die Unterstellung, die Protestanten wollten die Katholiken evangelisch machen. Völlig unbegründet! Keine Ahnung, wie jemand darauf kommt. Meine Devise heißt, dass wir einander mit unseren jeweiligen Gaben den Tisch decken sollen, statt zu versuchen einader über den Tisch zu ziehen! Vor allem: So schwächlich ist die größte Kirche der Welt (die einzige wirkliche Weltkirche!)nun wirklich nicht, dass jemand solche Ängste haben müsste.

Ich denke, es gibt ein Problem, zu akzeptieren, dass es konfessionelle Unterschiede gibt. "Akzeptieren" heißt hier nicht "gut heißen", sondern zu begreifen, dass diese Unterschiede Ursachen haben, dass eine Geschichte dahinter steht, dass dem Erfahrungen, Denkweisen und Gefühlswelten zugrunde liegen.

Um davon zu erfahren, bietet es sich an, sich mit "den Anderen" persönlich auszutauschen. Das offene und persönliche Gespräch verhindert, dass wir Vorurteilen, Halbwahrheiten und Gerüchten aus zweiter oder dritter Hand aufsitzen. Das Gespräch von Mensch zu Mensch ermöglicht ein viel tieferes Verstehen als lexikalisches Wissen, das manchmal auch nötig ist, das zwar meistens umfassender ist, aber doch recht nüchtern und allgemein daher kommt.

Dieses Wissen um das Leben und Erleben anderer, aber manchmal auch um theologische oder historische Hintergünde, macht mir viel vorher Fremdartiges verständlich und ich werde viel vorsichtiger mit eigenen Urteilen.

Und ich denke auch, das wir dabei auch unendlich viel Gemeinsames entdecken können, was sonst viel zu sehr verborgen bleibt.

Wenn wir unsere Ansichten und Erfahrungen in einem Diskurs gegenüberstellen und dabei die Meinungsäußerung des Anderen als etwas Legitimes betrachten, lernen wir etwas, was in der immmer säkularer werdenden Welt Mitteleuropas immer wichtiger werden wird. Wir lernen, unseren Glauben authentisch zu bezeugen!

Ob uns das Recht ist oder nicht: Die säkulare Umwelt wird uns diesen Diskurs abverlangen, egal, wo wir als Christenmenschen stehen. Dabei wird es nicht mehr möglich sein, auf Katechismen oder das Lehramt zu verweisen, denn diese stellen für den säkularen Menschen keine Autorität dar. Auch wenn wir uns auf Dogmen berufen; - wir werden sie als unseren existentiellen Glauben bezeugen und in der Diskussion vertreten müssen.

Dabei kann es nur gut sein, wenn wir uns auch unter Christen gegenseitig nach unserem Glauben befragen. Und dabei entdecken, in wie wir uns verständlich machen können.
Mehr zum Thema: Diskurs, Dialog, Dialektik, Diskussion, Zeugnis
Gästebuch
Klaus schrieb am 31. August 2010
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"Wenn wir unsere Ansichten und Erfahrungen in einem Diskurs gegenüberstellen und dabei die Meinungsäußerung des Anderen als etwas Legitimes betrachten, lernen wir etwas, was in der immmer säkularer werdenden Welt Mitteleuropas immer wichtiger werden wird. Wir lernen, unseren Glauben authentisch zu bezeugen! "
daume
Klaus
Fulmarus schrieb am 31. August 2010
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@Leo,
die Situation der Evangelikalen ist hier nicht das Thema. Es geht hier darum, wie wir selbst in Diskussionen mit anderen Meinungen umgehen und warum wir es so und nicht anders tun.
Fulmarus
MFF schrieb am 30. August 2010
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Fulmerus schreibt:
"
Ob uns das Recht ist oder nicht: Die säkulare Umwelt wird uns diesen Diskurs abverlangen, egal, wo wir als Christenmenschen stehen. Dabei wird es nicht mehr möglich sein, auf Katechismen oder das Lehramt zu verweisen, denn diese stellen für den säkularen Menschen keine Autorität dar. Auch wenn wir uns auf Dogmen berufen; - wir werden sie als unseren existentiellen Glauben bezeugen und in der Diskussion vertreten müssen."
Da stimme ich dir voll und ganz zu lb. Fulmerus.
L.G.:
MFF
MFF
spero schrieb am 30. August 2010
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Fulmarus schreibt:

Oft kam auch die Unterstellung, die Protestanten wollten die Katholiken evangelisch machen. Völlig unbegründet! Keine Ahnung, wie jemand darauf kommt.

Die Befürchtung "etwas Katholisches" zu übernehmen hat eine lange Tradition. Vieles was Martin Luther noch als Katholik übernommen hatte, wurde im Laufe der Jahrhunderte eingemottet. Das Kreuzzeichen, die Beichte und die Marienverehrung sind nur ein paar davon.
Du selbst Fulmarus als Protestant kennst dich in der katholischen Tradition bestens aus, aber die meisten Evangelen fragen nicht danach. Viel einfacher ist es Vorurteile zu übernehmen, und seien sie noch so hanebüchen.
Es haben in Jahrhunderten zwei Richtungen entwickelt.
Die Katholische Kirche mit ihren Traditionen hat lange die Schrift vernachlässigt - sie war Grundlage der Theologie, für das gläubige Volk war der Katechismus maßgebend und die Weitergabe der Tradition.
Die evangelische Kirche hielt allein an der Schrift fest, deren Auslegung den Protestantismus in Lutheraner und Reformierte und in anderen kleineren Gruppen spaltete. Die Tradition spielte eine untergeordnete Rolle.
Nun fängt das an was Fulmarus "die Hand reichen" nennt,sich "gegenseitig den Tisch decken".
Evangelische Christen entdecken den tiefen Sinn unserer Traditionen und die Katholiken entdecken den Reichtum der Heiligen Schrift.
Es gibt wunderbare Fortschritte in der Ökumene.
Und es gibt gewaltige Bremser - auf beiden Seiten.
Auf beiden Seiten ist der Verlust der eigenen konfessionellen Identität die Ursache des Widerstandes.
Dabei geht es nicht um die Aufgabe der eigenen Konfession, sondern um Respekt und Anerkennung an den christlichen Glauben "der Anderen."
spero
spero
Fulmarus schrieb am 30. August 2010
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Zitat:
Original von: Bernice
Kleine Ergänzung:

1. Du bist in die Diskussion mit einem Kommentar eingstiegen, in dem du deine Abneigung gegenüber dem Schönstatt-Kult deutlich zum Ausdruck gebracht hast.
Stimmt. Das halte ich auch für ehrlich und für legitim. Da der Thread gelöscht ist, halte ich es für richtig, die Sache damit bewenden zu lassen und hier nicht wieder aufzugreifen.

Zitat:
Original von: Bernice
2. Der Thread wurde auf Initiative der Userin und Threadstarterin Miriam gelöscht, da sie offenbar diese Art von Kommentaren nicht ertragen konnte.
Das ist auch vollkommen in Ordnung, wenn jemand sagt, dass er/sie mit einer bestimmten Diskussionsform nicht umgehen kann oder sich den Austausch anders vorgestellt hat. Auch, dass die Administratoren dann regelnd (auch schützend) eingreifen, ist richtig.

Zitat:
Original von: Bernice
3. Kathspace ist offen für alle Konfessionen und für den Dialog, bekennt sich aber zur kath. Lehre der röm. kath. Kirche. (Und es wird erwartet, dass dies in jeder Hinsicht berücksichtigt wird.) D.h. auch, dass in Lehrfragen die Lehre der kath. Kirche, nach der wir uns hier orientieren, hier auf KS das letzte Wort hat.
Danke für diese Offenheit! Das letztere ist ja auch in den Communityregeln festgelegt und soll auch von mir nicht in Zweifel gezogen werden!
Blumen
Fulmarus
Bernice schrieb am 30. August 2010
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Kleine Ergänzung:

1. Du bist in die Diskussion mit einem Kommentar eingstiegen, in dem du deine Abneigung gegenüber dem Schönstatt-Kult deutlich zum Ausdruck gebracht hast.

2. Der Thread wurde auf Initiative der Userin und Threadstarterin Miriam gelöscht, da sie offenbar diese Art von Kommentaren nicht ertragen konnte.

3. Kathspace ist offen für alle Konfessionen und für den Dialog, bekennt sich aber zur kath. Lehre der röm. kath. Kirche. (Und es wird erwartet, dass dies in jeder Hinsicht berücksichtigt wird.) D.h. auch, dass in Lehrfragen die Lehre der kath. Kirche, nach der wir uns hier orientieren, hier auf KS das letzte Wort hat.
Bernice