In einem inzwischen gelöschten Thread zur Schönstattbewegung ist nach meiner Motivation, als Protestant hier in einer katholischen Community zu schreiben, gefragt worden. Ich hatte versprochen, darauf genauer einzugehen und möchte das nun etwas allgemeiner tun, also nicht auf das dortige Thema bezogen und auch nicht ausschließlich (aber auch!) dieses website hier betreffend.
Also: Wenn ich auf einem katholischen Forum schreibe, liegt es in der Natur der Sache, dass meine Ansichten und Erfahrungen z. T. von denen der Mehrheit der dortigen Nutzer und auch von der der Betreiber abweicht. Denn es gibt nun einmal Unterschiede in den konfessionellen Lebenswelten, sonst gäbe es diese Trennungen ja nicht.
Nun ist mir und anderen schon oft geschehen, dass die Darlegung einer Meinung schnell als persönlicher Angriff, als Beleidigung aufgefasst wurde. Auch dann, wenn es ander Form nichts zu beanstanden gibt. Ich schreibe zwar manchmal mit spitzer Feder, aber Verunglimpfungen anderer sind dabei meines Wissens noch nicht vorgekommen. Bestenfalls haben sich Diskussionspartner dann selbst durch eigene Aggressivität oder Blasiertheit bloßgestellt. Aber dafür kann ich dann nichts.
Oft kam auch die Unterstellung, die Protestanten wollten die Katholiken evangelisch machen. Völlig unbegründet! Keine Ahnung, wie jemand darauf kommt. Meine Devise heißt, dass wir einander mit unseren jeweiligen Gaben den Tisch decken sollen, statt zu versuchen einader über den Tisch zu ziehen! Vor allem: So schwächlich ist die größte Kirche der Welt (die einzige wirkliche Weltkirche!)nun wirklich nicht, dass jemand solche Ängste haben müsste.
Ich denke, es gibt ein Problem, zu akzeptieren, dass es konfessionelle Unterschiede gibt. "Akzeptieren" heißt hier nicht "gut heißen", sondern zu begreifen, dass diese Unterschiede Ursachen haben, dass eine Geschichte dahinter steht, dass dem Erfahrungen, Denkweisen und Gefühlswelten zugrunde liegen.
Um davon zu erfahren, bietet es sich an, sich mit "den Anderen" persönlich auszutauschen. Das offene und persönliche Gespräch verhindert, dass wir Vorurteilen, Halbwahrheiten und Gerüchten aus zweiter oder dritter Hand aufsitzen. Das Gespräch von Mensch zu Mensch ermöglicht ein viel tieferes Verstehen als lexikalisches Wissen, das manchmal auch nötig ist, das zwar meistens umfassender ist, aber doch recht nüchtern und allgemein daher kommt.
Dieses Wissen um das Leben und Erleben anderer, aber manchmal auch um theologische oder historische Hintergünde, macht mir viel vorher Fremdartiges verständlich und ich werde viel vorsichtiger mit eigenen Urteilen.
Und ich denke auch, das wir dabei auch unendlich viel Gemeinsames entdecken können, was sonst viel zu sehr verborgen bleibt.
Wenn wir unsere Ansichten und Erfahrungen in einem Diskurs gegenüberstellen und dabei die Meinungsäußerung des Anderen als etwas Legitimes betrachten, lernen wir etwas, was in der immmer säkularer werdenden Welt Mitteleuropas immer wichtiger werden wird. Wir lernen, unseren Glauben authentisch zu bezeugen!
Ob uns das Recht ist oder nicht: Die säkulare Umwelt wird uns diesen Diskurs abverlangen, egal, wo wir als Christenmenschen stehen. Dabei wird es nicht mehr möglich sein, auf Katechismen oder das Lehramt zu verweisen, denn diese stellen für den säkularen Menschen keine Autorität dar. Auch wenn wir uns auf Dogmen berufen; - wir werden sie als unseren existentiellen Glauben bezeugen und in der Diskussion vertreten müssen.
Dabei kann es nur gut sein, wenn wir uns auch unter Christen gegenseitig nach unserem Glauben befragen. Und dabei entdecken, in wie wir uns verständlich machen können.