Engel sind beliebt. Folgt man den einschlägigen Umfragen zur religiösen Befindlichkeit der Menschen, so stellt man fest: Es gibt mehr Menschen, die an Engel glauben als an Gott. Dieser erstaunliche Umstand offenbart nicht nur eine theologische Schieflage (Engel sind im christlichen Glauben Boten Gottes, sie existieren als Teil der Schöpfung ebenso abhängig vom Schöpfer wie Menschen), sondern zeigt zudem, dass Engel ihrem Wesen und ihrer Funktion nach offenbar auch ganz anders erfahren werden können als in der Tradition der Kirche üblich.
Der September gilt im Katholizismus traditionell als „Engelmonat“, was daran liegt, dass die Kirche das Fest der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael am 29. September feiert. In einigen Gemeinden wird daher an den Dienstagen im September („Engeltage“) die Votivmesse für die Engel gelesen.
Eine besondere Rolle nimmt der Schutzengel ein, der – von Gott dazu beauftragt und befähigt – uns vor Unheil bewahrt. Jeder Mensch, so glauben wir, erfährt durch den Schutzengel einen ganz besonderen Segen Gottes. Der Schutzengel erfährt eine besondere Verehrung in traditionellem Liedgut und in speziellen Gebeten. Ein spanisches Gebet zum Schutzengel ist weit über die hispanische Sprach- und Kulturgrenze hinaus bekannt:
Ángel de la Guarda,
dulce compañía.
No me desampares –
ni de noche ni de día.
No me dejes solo,
que me perdería.
Das Gebet spricht von der „süßen Begleitung“ des Schutzengels. Man bittet darum, dass er einen nicht verlässt, weder tagsüber noch in der Nacht, damit man sich nicht – allein und ohne seinen Schutz – verirrt. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern diese „süße Begleitung“. Möge Ihr ganz persönlicher Schutzengel Sie durch die Zeit tragen und vor Unheil bewahren.
(Josef Bordat)