Bel
Veröffentlicht am 2. September 2010, von Bel

Einsamkeit... wer kennt sie nicht?!
Ich kann in einer riesen Gesellschaft unterwegs sein, auf einer großen Party und doch fühle ich mich einsam. Ich kann in einer großen Familie leben und doch gibt es Zeitpunkte, wo ich die Einsamkeit spüre.

Ein-sam: ein interessantes Wort. Der Wortstamm -sam könnte sovel bedeuten wie "sind wir". Im bayrischen sagt man: Wie samma? Guad samma! Was soviel heisst wie: Wie sind wir? Gut sind wir! Andere Worte mit -sam sind z.B. Folgsam und Aufmerksam: "Wir sind aufmerkend"und "wir sind folgend" und eben "wir sind eins" => einsam.

Wir sind eins. Jeder von uns ist "eins", eben alleine (ein ebenso interessantes Wort - all-eine)

In der Bibel, im Buch der Sprüche sthet folgendes dazu: 4,7-12
Zwei haben es besser als einer allein
7 Noch etwas Sinnloses habe ich auf dieser Welt beobachtet:
8 Manch einer lebt völlig allein, niemand ist bei ihm. Auch einen Sohn oder Bruder hat er nicht. Trotzdem arbeitet er ohne Ende und ist nie zufrieden mit seinem Besitz. Aber für wen mühe ich mich dann ab und gönne mir nichts Gutes mehr? Das ist doch kein Leben, so vergeudet man nur seine Zeit!
9 Zwei haben es besser als einer allein, denn zusammen können sie mehr erreichen.
10 Stürzt einer von ihnen, dann hilft der andere ihm wieder auf die Beine. Doch wie schlecht steht es um den, der alleine ist, wenn er hinfällt! Niemand ist da, der ihm wieder aufhilft!
11 Wenn zwei in der Kälte zusammenliegen, wärmt einer den anderen, doch wie soll einer allein warm werden?
12 Einer kann leicht überwältigt werden, doch zwei sind dem Angriff gewachsen. Man sagt ja auch: "Ein Seil aus drei Schnüren reißt nicht so schnell!"


Ein zweiter also, um einen Sinn zu haben, um besser zurecht zu kommen? Nun ja, das steht ja schon in der Genesis wo Gott spricht: "Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist. Ich will ihm eine Gefährtin machen, die ihm entspricht." Und trotzdem zieht sich Jesus alleine zum Gebet und mit seinen Jüngern in die Einsamkeit zurück. Es muss also auch etwas Gutes an dieser Einsamkeit sein...

Wie kommt es denn eigentlich, dass wir uns manchmal eben nicht alleine fühlen?
Ich stelle mir das bildlich dargestellt so vor: Jeder von uns als Kreis dargestellt hat seine Ausdehnung und seine Grenzen. Machmal überschneiden sich einige Kreise und bilden eine Schnittmenge.
Dort erleben wir Gem-ein-sam Gem-ein-schaft
Die Einser schaffen also zusammen etwas und erleben dadurch Gemeinschaft. Ist diese Schaffensphase beendet, zieht sich jeder Kreis wieder in seine Einsamkeit zurück. Daher stürzen manche Menschen nach großen Events in ein Einsamkeitsloch, was sie zu betäuben versuchen mit beneblern wie Medien oder Alkohol, etc.

Aber was ist an dieser Einsamkeit eigentlich so schlimm? Jesus hat sie doch auch immer wieder gesucht.
Lk 5,16 Doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten.
Aha - Jesus ging also nicht in die Einsamkeit um einsam zu sein, sondern um sich mit dem All-Einen im Gebet zu verbinden.
Da ist der Schlüssel: Wir in unserem kleinen Kreis... ist doch klar, dass sich das nicht gut anfühlt. Da müssen schon große Schnittmengen sein, dass wir uns erkannt fühlen.
Im Kontakt mit dem All-Einen allerdings, befinden wir uns in einer größeren Dimension. Es ist, wie wenn ein Kreis einer Kugel begegnet - eine andere Dimension! Von Schnittmenge kann da gar keine Rede sein. Es ist mehr ... Allumfassend ... (Könnt ihr euch in den staunenden Kreis hineinfühlen?) Der Kreis geht völlig auf darin ...

Zurück zur Einsamkeit.
Warum fühlen wir uns denn manchmal einsam?

Im Buch Jeremia finde ich dazu einen Anhaltspunkt:Jer 15,17 Ich sitze nicht heiter im Kreis der Fröhlichen; von deiner Hand gepackt, sitze ich einsam; denn du hast mich mit Groll angefüllt.
Aha. Groll! Mit Groll im Herzen schneiden wir uns also ab von der Gemeinschaft. Und erst recht von der Gemeinschaft mit Gott. Ich ziehe mich bewusst in meinen Kreis zurück, weil mir etwas nicht passt. Damit ver-passe ich allerdings auch die Chance auf Gemeinschaft.

Meine Schlussfolgerungen also für heute:

Wenn ich im Groll bin, kann ich meine Einsamkeit am deutlichsten spüren.
In der Fröhlichkeit kann ich Gemeinschaft erleben.
Im innigen Gebet aber, begegnet mir eine andere Dimension in der Einsamkeit ein Fremdwort ist.

Da fällt mir übrigens gerade ein passender Spruch ein:

Wir sind alles nur Nullen, aber Jesus Christus ist die 1 davor!

Mehr zum Thema: Leben, Einsamkeit, einsam, alleine, Gebet, Jesus, Gott
Gästebuch
schrieb am 4. September 2010
0 Bewertungen
danke
Wir sind alles nur Nullen, aber Jesus Christus ist die 1 davor!
Finde ich sehr gut.
Bel schrieb am 3. September 2010
0 Bewertungen
Danke für diese wunderbaren Beiträge!
Möge euch der All-eine, der Ich-bin-da, der liebende Vater segnen und erfüllen!
Bel
spero schrieb am 3. September 2010
0 Bewertungen
Ich habe oft in meinem Leben Einsamkeit gefühlt wie du.
Aber heute hat sie eine andere Dimension.
Ja, wie ein Kreis der einer Kugel begegnet.
Im Sterben begegnet mir die absolute Einsamkeit, und ich verstehe weshalb viele Menschen davor Angst haben: man ist ganz auf ich selbst zurückgeworfen, selbst der liebste Mensch erreicht mein ICH nicht mehr.Und ganz ohne Gemeinschaft ist dieses ICH nicht zu ertragen. Es sei denn man wirft es ganz in Gottes liebende Barmherzigkeit.
Noch kann ich Gemeinschaft erleben. Aber ich nehme das Wissen mit, dass alle diese letzte Einsamkeit in sich tragen.Doch bevor sie sich in Gottes Arme werfen können suchen sie Zuflucht bei Menschen und Dingen.
Die Einsamkeit ist ein dunkler Engel der umso heller wird wenn es uns gelingt Menschen und Dinge loszulassen und ihn umarmen.
Spero
spero
Talita schrieb am 3. September 2010
0 Bewertungen
Ja, ich denke auch, dass beides zum Mensch-sein dazu gehört.
Mir fällt das immer besonders in Bezug auf das Beten auf. Es heißt ja:
"Wenn du betest, gehe in deine Kammer..."
UND
"Wo zwei oder drei in meinem Namen...".

Beides schließt sich nicht aus, es ergänzt sich. Denn der Mensch ist auf Gemeinschaft angelegt, und doch spielt sich seine Beziehung zu Gott im absolut Innersten ab.

Am Ende (des Lebens) - oder besser noch: am Anfang (des ewigen Lebens!) - kommt es nur noch auf meine Beziehung zu Gott an: ER und ich.

Deshalb denke ich, dass wir auch in der Gemeinschaft innerlich immer ganz "bei uns" sein müssen, - dort, wo wir Gott am besten begegnen. Wenn ich diese innere Einsamkeit aushalten und leben kann, kann ich auch in Gemeinschaft sein.

Ja, mehr noch:
Ich kann die Gemeinschaft ergänzen, bereichern, von ihr zehren - aber erwarten werde ich alles, was ich brauche, nur von Gott.

Liebe Grüße! - und
Danke für den schönen Beitrag!

(Hatte Dich schon vermisst...! blink )

Talita
Talita