Der Chef des staatlichen Religionsamtes (Diyanet) in der Türkei spricht sich für eine Umwandlung der Paulus-Kirche in Tarsus von einem Museum in ein Gotteshaus aus.
„Ich finde es korrekter, wenn die St.Paulus-Kirche in Tarsus als Kirche dient und nicht in ihrer derzeitigen Rolle als Museum“, sagte Ali Bardakoglu laut türkischen Presseberichten vom 24. August. Wenn ein Ort für Christen heilig sei und sie dort religiöse Zeremonien abhalten wollten, „dann kann es keinen Grund geben, dies zu verbieten“.
Die katholische Kirche fordert seit langem die Umwandlung der Paulus-Kirche in ein Gotteshaus. Bisher war der Bau aber nur während des Paulus-Jahres 2008/2009 für Gottesdienste geöffnet.
Für eine dauerhafte Zulassung als Kirche gibt es noch keine Genehmigung der Behörden. Bardakoglu betonte, er könne bei Reisen ins westliche Ausland seinen Gesprächspartnern nur schwer erklären, warum das Gotteshaus überhaupt ein Museum sei. Schon zu Beginn des Jahres hatte Bardakoglu einen ähnlichen Vorstoß unternommen.
Der als Reformer geltende Bardakoglu begrüßte auch die jüngste griechisch-orthodoxe Messfeier zu Maria Himmelfahrt im alten Kloster Sümela im Nordosten der Türkei. Die Gesellschaft in der überwiegend muslimischen Türkei sollte in solchen Gottesdiensten keinen Anlass für Besorgnis sehen, fügte er mit Blick auf nationalistische Proteste gegen die Messe in Sümela hinzu.
Das türkische Religionsamt ist die Aufsichtsbehörde für den Islam in der Türkei und hat die Aufgabe, eine staatsverträgliche Form der Religion zu garantieren. Dem Religionsamt unterstehen alle 80.000 Moscheen im Land.
Noch bis ins 20. Jahrhundert stellten die Christen in der heutigen Türkei etwa 30 Prozent der Bevölkerung. Bis heute sank ihre Zahl auf nur noch etwa 100.000 bis 150.000. Bei rund 72 Millionen Bürgern insgesamt, die zu über 99 Prozent Muslime sind, ist das ein Anteil von circa 0,2 Prozent. Ursachen für den Rückgang sind unter anderen der Genozid an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs, der griechisch-türkische Bevölkerungsaustausch im Zuge des Vertrags von Lausanne 1923 und eine für Christen über Jahrzehnte ungünstige Religionspolitik.