In meinem Grössenwahn habe ich mich entschlossen, den Versuch zu wagen und ein paar erste Texte für eine kleine Kreuzesmystik zu schreiben. Einen ersten davon stelle ich nun hier hinein, und bin gespannt auf Reaktionen.
Das Kreuz ist eine Realität, die Hoffnung schenkt.
Warum, Herr, sind so viele unserer Hoffnungen Illusionen?
Wir hoffen auf Glück, auf Erfüllung. Noch mehr hoffen wir auf Befreiung vom Leid in all seinen Formen. Und immer wieder stehen wir mit leeren Händen da, enttäuscht, vielleicht sogar verbittert, von Gott und der Welt verlassen. Vielleicht sind wir dann noch realistisch genug zu sehen, dass dieses oder jenes Leid gar nicht von uns genommen werden kann, dass unsere Hoffnung irrational ist.
Dann gibt es nur ein Mittel, eine Waffe gegen diese Hoffnungslosigkeit. Es ist der Blick auf Dein Kreuz. Rational gesehen kann ein Gekreuzigter uns nicht helfen. Und doch hast du durch Dein Kreuz der ganzen Welt geholfen. Hier kommt der Glaube zum Zug, der den Verstand übersteigt, ohne ihm zu widersprechen. So entsteht Hoffnung, die die Realität dieser Welt durchbricht, hin zu Deiner allumfassenden Realität, hin zur Realität Gottes.
In Deiner Realität, Herr, kann selbst das Leid, das Kreuz zur Hoffnung werden, zur Hoffnung, die meinen engen egozentrischen Blickwinken durchbricht zu einer Sicht auf die ganze Realität, in der selbst Leid und Kreuz einen Platz haben, einen tiefen Sinn machen.
Kreuz, mein Kreuz
Mein geliebter JESUS,
aus der Tiefe rufe ich zu Dir, aus der Einsamkeit, aus der Schwäche meines Herzens und meines Körpers
mein Kreuz, HERR wird mir so schwer, ich kann es bald nicht mehr tragen,
mein Herz droht zu verzagen.
Wo sind nun meine Freunde, mit denen ich so oft gelacht,
wo sind sie, denen ich so viel Liebe entgegengebracht?
Keiner ist da, der mir die Last erleichtert:
Was willst denn du, dir geht’s doch bestens, sei zufrieden andern geht es noch schlechter!
Ja, HERR ich weiss, DU bist da, DU bist mir gerade in meiner Schwäche nah,
ich will es von Herzen glauben, JESUS, hilf meinem Unglauben!
Um mich herum ist finstere Nacht,
ich hoffe darauf, dass bald das Licht wieder erwacht.
Mein Wille, der mich bis hierher aufrechterhalten hat, hält mich nicht mehr,
und ich fürchte mich vor dem Zusammenbruch so sehr!
Mein JESUS, Du weißt, ich liebe nur Dich,
und schleppe mein Kreuz hinter Dir her ganz jämmerlich,
ich habe Angst meine Schwäche zu zeigen,
denn dann werde ich von meinen Freunden ganz verlassen bleiben.
JESUS, hilf mir, ich fühle mich so verlassen und allein –
lass mich in Deinem Kreuz geborgen sein!
Ja, ich werfe mich mit meinem Kreuz in Dein Kreuz hinein,
mit Dir darf ich unter der Last des Kreuzes zusammenbrechen,
die Einsamkeit des Kreuzweges durchkosten,
die Verlassenheit trinken...
Mit Dir bringe ich meine Verlassenheit, meine Angst, meine Schmerzen dar,
jeden Tag mit den Opfergaben von Brot und Wein auf dem Altar.
Wenn ich auch schwach und ohne Kraft und mutlos bin,
so gebe ich doch Schwäche; Kraft- und Mutlosigkeit, Dir mit aller Liebe meines Herzens hin.
Vielleicht erwächst aus meiner Schwäche, für einen anderen Stärke –
ich will dran glauben und darauf vertrauen,
dass die durchlittene und noch zu durchleidende Angst und Pein,
für einen Bruder, eine Schwester, wird ein Segen sein.
Ja, HERR JESUS, ich will mein Kreuz auf mich nehmen, jeden Tag, es Dir nachtragen.
Den Kreuzweg, den Du mir bestimmt hast gehen,
mein Leben, meine Leistung, mein Ansehen gering achten.
Oh, ich weiss, dies ist nicht einfach, doch ich vertraue darauf, dass Du mir hilfst, dass Du mich nicht verlässt, gerade in der grössten Not nicht!
Ich will von ganzem Herzen daran glauben! Amen
est 9.8.96
Wie wird die Last des Kreuzes leichter, ja sogar leicht?
Wenn wir das Kreuz liebend umarmen,
wenn wir die Arme ausbreiten und es ganz in uns aufnehmen.
Dann geschieht das Wunder, dass nicht mehr wir das Kreuz tragen,
sondern dass das Kreuz uns trägt.
Dann bewahrheitet sich das Wort JESU:
Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht! Mt 11, 30
est 2.4.09





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