Der vernachlässigte Aspekt
#61
31. August, 5:55
Christ sein
„Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres grossen Gottes und Retters Christus Jesus. Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und sich ein reines Volk zu schaffen, das ihm als sein besonderes Eigentum gehört und voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun. So sollst du mit allem Nachdruck lehren, ermahnen und zurechtweisen. Niemand soll dich gering achten.“ (Tit 2,11-15)
Ich glaube, hier beschreibt Paulus gerade für unsere Zeit unsere christliche Berufung. Es sind vier Punkte die er hervorhebt:
* - wir sollen uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden los sagen
* - wir sollen besonnen, gerecht und fromm in der Welt leben
* - wir sollen auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten
* - wir sollen voll Eifer danach streben, das Gute zu tun.
Interessant dabei ist der Wechsel zwischen den beiden sagen wir einmal „transzendenten“ und den beiden „weltlichen“ Forderungen. Wir sagen uns los von der Gottlosigkeit und den weltlichen Begierden. Wir streben ganz nach dem, was droben ist. Aber gleichzeitig leben wir in dieser Welt, besonnen, gerecht und fromm. Wir warten auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung. Wir haben den Blick nach oben gerichtet. Aber gleichzeitig streben wir voll Eifer, das Gute zu tun.
Unser katholischer Glaube ist allumfassend. Er umfasst unser ganzes Leben. Es genügt nicht, uns aus dieser „verdorbenen“ Welt zurück zu ziehen. Wir müssen uns von ihr distanzieren, und doch ganz bewusst, besonnen wie Paulus sagt, in ihr leben in Frömmigkeit und Gerechtigkeit. Umgekehrt genügt es auch nicht, einfach als guter, besonnener und gerechter Mensch zu sein. Mit einer solchen, mehr oder weniger von Gott losgelösten Haltung werden wir weiterhin Spielball unserer Begierden bleiben. Es genügt nicht, unsere ganze Hoffnung auf das Leben in der zukünftigen Welt zu setzen. Wir müssen auch hier unser Möglichstes tun. Umgekehrt genügt es aber auch nicht, voll Eifer für eine bessere Welt einzutreten und uns einzusetzen wo immer dies uns möglich ist. Wir müssen dies alles im Blick auf die Erfüllung unserer Hoffnung, auf das endgültige Erscheinen des Reiches Gottes tun.
Ein grosses Programm, das uns Paulus da in wenigen Zeilen vorlegt. Es gibt sicher für jeden von uns noch viel zu tun, für den einen mehr hier, für den anderen mehr dort. Packen wir es an.
#62
17. September, 6:51
Der aus dem Glauben Gerechte
Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie es in der Schrift heißt: Der aus Glauben Gerechte wird leben. (Röm 1,17)
Oft wird diese Stelle interpretiert als: „Der Gerechte wird auf Grund
seines Glaubens das Leben haben.“ Und daraus folgt dann: „Der Glaube
allein genügt.“ Ich glaube nicht, dass dies im Sinn des Völkerapostels
ist. Vielmehr meint diese Stelle doch, „Wer aus dem Glauben heraus sich
um Gerechtigkeit bemüht, wird leben.“ Nur in diesem Sinn wird nämlich
die Brücke zwischen dem Glauben und den Werken geschlagen, die zusammen
gehören. Der Glaube ist die Basis, auf dem die Werke stehen müssen. Der
Glaube erlaubt die Beziehung zu Gott, aus welcher dann die Werke
sozusagen logischerweise fliessen. Die Beziehung zu Gott, die aus dem
Glauben kommt, gibt den Werken erst den Sinn, erst dann bezeugen die
Werke den Glauben.
Oft wird diese Stelle interpretiert als: „Der Gerechte wird auf Grund
seines Glaubens das Leben haben.“ Und daraus folgt dann: „Der Glaube
allein genügt.“ Ich glaube nicht, dass dies im Sinn des Völkerapostels
ist. Vielmehr meint diese Stelle doch, „Wer aus dem Glauben heraus sich
um Gerechtigkeit bemüht, wird leben.“ Nur in diesem Sinn wird nämlich
die Brücke zwischen dem Glauben und den Werken geschlagen, die zusammen
gehören. Der Glaube ist die Basis, auf dem die Werke stehen müssen. Der
Glaube erlaubt die Beziehung zu Gott, aus welcher dann die Werke
sozusagen logischerweise fliessen. Die Beziehung zu Gott, die aus dem
Glauben kommt, gibt den Werken erst den Sinn, erst dann bezeugen die
Werke den Glauben.





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