Was sagen die Theologen zu Medjugorje?
#1 18. Februar, 10:18
Eine ausführliche Stellung zum Artikel „Die Anhänger nicht ins leere fallen lassen“ von Prof. Manfred Hauke in der Tagespost gibt der Diakon Thomas Müller, Autor des Buches: „Medjugorje - Ein Charisma und seine Bestätigung durch das Gottesvolk“, welches als Diplomarbeit den Koblenzer Hochschulpreis bekommen hat:

Dieser Artikel wurde mir von Thomas Müller persönlich zugeschickt.

Den Gegnern von Medjugorje scheint jedes Mittel recht…!
Eine Reaktion auf das Interview mit Prof. M. Hauke aus Lugano, welches am 02. Feb. 2010 in der Zeitung „Die Tagepost“ unter dem Titel „Die Anhänger nicht ins leere fallen lasse“ abgedruckt war.

Es ist erschreckend, mit welcher Leichtigkeit Prof. Hauke, die „Liebe zur Wahrheit“ fordert, aber selber eindeutige Lügen und Halbwahrheit in diesem Interview verbreitet und bekannte Fakten verschweigt. Darüber hinaus ist er bemüht, negative Vorfälle mit Medjugorje zu vermischen, die nichts damit zu tun haben.
Der Höhepunkt ist dann die indirekte Feststellung, dass die Fruchtbarkeit von Medjugorje, welche in den vergangenen 28 Jahren weltweit einzigartig in Bezug auf Bekehrungen, Berufungen, Wiederbelebung des Bußsakramentes, des Rosenkranzgebetes und der Liebe zur Eucharistie ist, auf das Wirken des Teufels zurückgeht und dass die Botschaften ein spiritistisches Phänomen darstellen. Dies ist eine Beleidigung Gottes, denn damit sagt Hauke aus, dass der Teufel, um die Kirche zu täuschen, fruchtbarer ist als der Heilige Geist. Darüber hinaus widerspricht diese Sichtweise auch klar der Offenbarung der Heiligen Schrift. Unser Herr Jesus Christus sah sich durch die Jerusalemer Schriftgelehrten einem ähnlichen Vorwurf ausgesetzt, denn sie sagten über ihn: „Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen.“ (Mk 3,22-26)

Aber gerade an Medjugorje ist leicht erkennbar, dass der Glaube und die Liebe blüht, trotzt allen Schwierigkeiten. Seit über 28 Jahren ist Medjugorje geistlich fruchtbar, wie kein anderes christliches Heiligtum weltweit.
Aber wie kann das sein, wenn die behaupteten Erscheinungen in Medjugorje auf der Lüge aufgebaut und ein Werk des Teufels sind, wie Hauke meint? Es bedarf schon viel Phantasie sich vorzustellen, dass der Teufel sich selber bekämpft, nur um die Kirche zu täuschen. Es wäre Kampf gegen sich selber, wenn der Teufel das Beichtsakrament fördern würde. Denn bei jeder ehrlichen Beichte wird im Herzen des reuigen Sünders die Sünde, die ein Werk des Teufels ist, zerstört. Aber nicht der Teufel zerstört sein Werk, sondern der Sohn Gottes ist erschienen, um das Werk des Teufels zu zerstören (vgl. 1 Joh 3,8). Genauso verkennt Hauke auch ein anderes Wort der Schrift, wo unser Herr Jesus Christus unmissverständlich klar macht, dass ein schlechter Baum keine gute Früchte hervorbringen kann (vgl. Mt 7, 18). Dass es sich aber um gute Früchte in Medjugorje handelt, das muss selbst Hauke bestätigen, auch wenn er versucht, sie dem Teufel zuzuschreiben.

Der Verweis auf das in der Kirchengeschichte ziemlich einmalige Beispiel der Nonne Magdalena vom Kreuz, welche im 16. Jahrhundert über ihre mystische Begabung viele führende Männer in der Kirche täuschte und nur von wenigen Heiligen erkannt wurde, ist im Zusammenhang von Medjugorje unpassend. Denn das Phänomen von Medjugorje erfährt eine breite Anerkennung und Wertschätzung durch den Glaubenssinn (sensus fidei) des gesamten Gottesvolkes, inklusive des großen Papstes Johannes Pauls II., wie der Postulator des Seligsprechungsverfahrens (Slawomir Oder) in seinem gerade erschienenen Buch über das Leben von Johannes Paul II. bestätigt. Nun müssen wohl alle Kritiker verstummen, welche bisher gerne behaupteten, die zahlreichen positiven Aussagen des Papstes wären ihm nur untergeschoben. Nein, Johannes Paul II. war überzeugt von der Echtheit von Medjugorje.

Ein weiterer Punkt, der mich sehr enttäuscht, ist, dass der Wissenschaftler Hauke Behauptungen weiterverbreitet, welche er ungeprüft aus nicht-wissenschaftlicher Literatur zitiert und auch meist seine Quellen verschweigt. Solch ein Vorgehen ist einem Hochschullehrer unwürdig.

Aus Liebe zur Wahrheit sollten wir uns die größten Unwahrheiten und Verdrehungen in den Aussagen von Prof. Hauke näher anschauen und richtig stellen:

1.) Kleinkrieg oder Säuberungsaktion in Medjugorje mit 140 Toten und 600 Vertriebenen.
Im Rahme der Recherchen für meine Diplomarbeit über Medjugorje bin ich dieser Behauptung selbst nachgegangen. Ich habe mit einigen Bewohnern des Dorfes und mit einem Franziskanerpater von Medjugorje gesprochen, welche 1992 vor Ort waren und ich war auf dem Friedhof, wo die Toten beigesetzt worden wären. Es gibt keine Anhaltspunkte für diesen „Kleinen Krieg“. Alle Zeitzeugen bestätigen übereinstimmend, dass es ihn nie gegeben hat.
Ich selber habe 1994 Medjugorje besucht, dort gab es mit Ausnahme von Kriegsflüchtlingen keinerlei Kriegsspuren. Hätte dort zwei Jahre zuvor ein mörderischer Kleinkrieg getobt, der mehr als 5 % der Einwohner des Dorfes ausgelöscht hätte, die Spuren wären deutlich sichtbar gewesen, wie in vielen anderen Dörfern von Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Aber es gab damals in Medjugorje nicht eine einzige von Kugeln durchsiebte Hauswand. Dies bestätigten mir auch deutsche Pilger, welche 1992 und 1993 in Medjugorje weilten.
Ein letztes Argument der Logik möchte ich noch dieser Unwahrheit vom blutigen Verteilungskampf entgegenstellen. Im Jahr 1992 war der Pilgerstrom aus dem Ausland fast zum Erliegen gekommen. Die Front rückte bis auf wenige Kilometer an Medjugorje heran und drohte das Dorf zu überrollen und alles zu zerstören. Es gab also nichts Lukratives zu verteilen, sondern nur die Sorge, dass hier bald kein Stein mehr auf dem anderen steht. Die Einwohner hatten 1992 andere Probleme als Verteilungskämpfe um ein Pilgergeschäft, das es zu diesem Zeitpunkt defakto nicht mehr gab und wo eine große Wahrscheinlichkeit bestand, dass es nie wieder eines geben wird, denn die Kriegsfront kam erst 8 km vor Medjugorje zum Stillstand.

Woher stammt nun das Märchen vom „Klein-Krieg in Medjugorje“?
Im Jahr 1995 veröffentlichte der Niederländer Mart Bax in seinem Buch über Medjugorje diese reißerische Geschichte. Und von dort aus gelangte sie in den Wikipedia Artikel über Medjugorje im Internet und verbreitete sich weiter. Im Jahr 2008 wurde diese unwahre Geschichte aus dem Wikipedia Artikel gelöscht, da sie, nachgewiesener Maßen, jeglichem Wahrheitsgehalt entbehrt.

2.) Falsche Aussagen über Pater Jozo Zovko
Bezüglich Pater Jozo Zovko liegt Prof. Hauke gleich zweimal daneben. Zum einen ist es nicht korrekt, dass Pater Jozo von seinen Oberen jeglicher Kontakt mit Medjugorje verwehrt wird, wie Hauke behauptet. Der Generalvikar des Franziskanerordens hat eindeutig bestätigt, dass für Pater Jozo seitens der Ordensleitung weder Einschränkungen noch Suspendierung bestehen. Die von Hauke angeführten „schwerwiegenden moralischen Vorwürfe“ sind nichts als ein übles, verleumderisches Gerücht, welches von Medjugorje Gegnern schon seit Jahren gestreut wird. Auch die Behauptung, Pater Jozo wäre langjähriger geistlicher Begleiter der Seher gewesen, ist bei näherem Hinsehen nicht haltbar. Pater Jozo wurde von der kommunistischen Staatsmacht im August 1981 verhaftet und kam erst im Februar 1983 unter der Auflage frei, nicht mehr in Medjugorje tätig zu sein. Daher wurde er von seinem Orden in anderen Pfarreien und Klöstern eingesetzt.

3.) Halbwahrheiten und Verleumdung
Auch bezüglich Tomislav Vlasic enthält das Interview Fehler. Pater T. Vlasic wurde erst nach der Verhaftung von Pater Jozo, im September 1981 von seinen Oberen nach Medjugorje geschickt und blieb dort bis 1984 wohnhaft und tätig, nicht wie behauptet bis 1988. Im Jahr 1985 ging er nach Vitina und siedelte 1988 nach Italien über, wo er zugegebenermaßen einen seltsamen und beklagenswerten Weg einschlug, der einen Höhepunkt der Skurilität in einer sogenannten „mystischen Ehe“ fand. Diese aber auf die Gottesmutter oder die Seherin Maria Pavlovic zurückzuführen, ist eine Unverschämtheit und grenzt an Rufmord, denn die Seherin hat wiederholt auf Anfrage klargestellt, dass sie damit nichts zu tun hat.

4.) Unlautere Vermischungen
Der Konflikt zwischen den Franziskanern und dem Ortsbischof stammt bereits aus dem 19. Jahrhundert und ist somit über 100 Jahre älter als die Erscheinungen von Medjugorje. Im Rahmen dieses Konfliktes wurden in den vergangenen Jahren neun Franziskaner suspendiert und kirchlich bestraft. Nur, was hat das bitte mit den Sehern und den Erscheinungen in Medjugorje zu tun? Der Versuch dazwischen einen Zusammenhang herzustellen ist genauso unredlich, wie ein etwaiger Versuch den Seherkindern von Fatima das Versagen einzelner Priester in Portugal im Jahr 1917 anlasten zu wollen.

5.) Vermischung von Mystik und Charismatik
Zu Beginn ordnet Prof. Hauke Marienerscheinungen sehr richtig dem Charisma der Prophetie zu. Ein Charisma wird nach dem Heiligen Paulus dazu geschenkt, um die Kirche auf zu erbauen, und nicht primär Linie zum persönlichen Wachstum in der Heiligkeit, im Gegensatz zu mystischen Gnaden. Das heißt, Gott kann auch Sündern echte Charismen schenken, ohne dass sie dadurch zu Heiligen werden. Auch Judas Iskariot hat von Jesus die Berufung zum Apostel empfangen und das war ein echtes Charisma, auch wenn er dann zum Verräter wurde. Ein weiteres Beispiel sind die kirchlich anerkannten Erscheinungen von La Salette aus dem Jahr 1846. Beide Seher führten danach ein sehr unstetes und ungeordnetes Leben. Die Seherin Melanie musste mehrere Orden wieder verlassen und litt bereits mit 47 Jahren an einer Art Verfolgungswahn. Der Seher Maximin musste das Priesterseminar verlassen und führte ein sehr sprunghaftes Leben.

6.) Seher
Die Seher von Medjugorje hingegen sind alle Verheiratet und haben Kinder. Keine der Ehen ist getrennt oder gar geschieden; von außen betrachtet muss man bekennen, dass sie alle samt eine vorbildliche christliche Ehe führen, was in unserer Zeit absolut nicht selbstverständlich ist und ein wertvolles christliches Zeugnis darstellt. Denn unsere Zeit hat einen großen Mangel an gesunden und gut katholischen Familien.

Die von Hauke geforderten „psychischen“ Untersuchungen an den Sehern haben bereits mehrfach von international besetzten Expertengruppen in und außerhalb von Medjugorje stattgefunden. Keine Marienerscheinung ist auch nur annähernd wissenschaftlich so intensiv untersucht und erforscht worden wie Medjugorje. Die bedeutendsten Studien wurden erstellt von: Prof. Dr. H. Joyeux (1984
Caritas, fides, precatio et opera