Jana
Veröffentlicht am 19. Januar 2010, von Jana
Der Zorn

Der Zorn ist das heftige Verlangen, andere zu strafen. Hier handelt es sich nicht um den gerechten Zorn wie den des Herrn, als er die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel trieb, sondern um den unrechten Zorn, der als schlechte Laune, Rachsucht, Wutausbrüche, Rache und Ballen der Faust auftritt. Vor den Augen des Egoisten verkleidet sich der Zorn als der Wunsch, es dem anderen heimzuzahlen.
Der Zorn findet sich häufig bei Menschen, die ein schlechtes Gewissen haben. Wenn man sie des Diebstahls anklagt, werden Diebe viel zorniger als ehrliche Leute. Untreue Ehegatten bekommen Wutanfälle, wenn sie ertappt werden. Eifersüchtige und boshafte Frauen lassen es die Hausangestellten entgelten. Solche Egoisten stossen alle, die ihnen nicht gefallen ab und verleumden in hässlichster Weise die Tugendhaften, deren Wesen ihnen ein ständiger Vorwurf ist.

Es gibt verschiedene Grade des Zornes. Der erste ist die Empfindlichkeit, die übermässige Empfindsamkeit und Ungeduld beim geringsten Zeichen der Nichtachtung. Das ungeduldige Ego nörgelt und zankt, weil der Frühstückskaffee kalt ist oder die Morgenzeitung zu spät kommt. Das zweite Stadium ist der Wutausbruch, wobei man heftig gestikuliert, das Blut in Wallung kommt, die Gesichtsfarbe sich verändert und sogar mit Gegenständen geworfen wird. Das sind alles Anzeichen, dass das Ich es nicht duldet, wenn man sich der Erfüllung seiner selbstsüchtigen Wünsche widersetzt. Man kommt zum dritten Stadium, wenn man dem Nächsten direkt Gewalt antut, wenn der Hass es dem anderen Menschen heimzahlen will, indem er ihm einen Schaden zufügt oder ihm den Tod wünscht. Manch einer hat keine Ahnung, wie viel diabolischer Zorn in ihm sitzt, bis sein Ego gereizt wird. Der Zorn hemmt die Entwicklung der Persönlichkeit und setzt allem geistlichen Fortschritt ein Ende, und das nicht nur, weil er das seelische Gleichgewicht und das sichere Urteil stört, sondern weil er die Rechte der anderen nicht erkennen lässt und jenen Geist der Sammlung beeinträchtigt, der zum Eingehen auf die Einsprechungen der Gnade so notwendig ist.

Der Zorn ist stets in Beziehung zu etwas Unbefriedigtem im Ich. Er ist so besonders schwer zu heilen, weil er in der Eigenliebe wurzelt, obwohl kein Egoist zugeben wird, dass das der wirkliche Grund ist. Lieber lässt er sich am Körper wehtun als sein Ego durch ein so sanftmütiges Eingeständnis verdemütigen.
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waeltwait schrieb am 20. Januar 2010
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Liebe Jana,
nochmal einige Gedanken zum Zorn.
Ich habe gerade wieder gemerkt, wann ich zum Beispiel zornig werde.
Ich habe eben hier im KS wieder Bild/Tonbeiträge gehört, bei denen mir ganz übel wurde. Und zwar ist es immer dann, wenn in unnatürlicher,seichter, samt-und seidiger Art gesprochen bzw. gesungen wird. Früher war das überall in der Kirche während der Messe so üblich. Ein Mann, der genau so natürlich redet wie man das halt von einem Mann gewohnt ist fängt, wenn er predikt oder sonst fromm wird auf einmal an in einer seichten unnatürlichen Sprache zu reden. Dann packt mich der Zorn, weil ich aus vielen Gesprächen mit dem einfachen Volk, den nicht Geweihten, dem Fußvolk, oder wie manche sagen dem Pöbel erfahren mußte, daß viele auf Grund von diesem unnatürlichem Gehabe sich von der Kirche gelöst haben. Man erzählt den Menschen das Natürlichste von der Welt nämlich dem Schöpfer und seinem Sohn nicht so, als wenn die Oma einem Dreijährigen das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein erzählt. Da redet man wie ein Mann. Dann kann ich nicht anders; ich werde zornig.
Genau so die Mär vom Geistlichen und Profanen. Gott/Christus ist wird in die Rubrik geistlich eingeordnet. Das Brot ist etwas profanes. Aber Christus kommt komischerweise in Form des profanen Brotes in der hl. Kommunion zu uns. Du wirst einwenden, daß diese Brot der hl.Hostie ja durch Weihung und Segnung geheiligt wurde und somit nicht mehr zu den profanen Dingen dieser Welt gehört. Richtig. Aber dann kann ich jedes andere Ding auf Erden durch Segnung heiligen. Und das ist völlig richtig. Was heißt profan, was heißt heilig ?? Alles kommt von Gott. Und so ist alles wertvoll und heilig.
In der Schöpfungsgeschichte nach Johannes steht:........ und nichts von all dem was geworden ist ist ohne dieses Wort geworden. Wenn das so ist, was ist dann profan, also von minderem Wert.??
Auch so etwas regt mich auf.

Liebe Grüße nochmals von Manfred
waeltwait
waeltwait schrieb am 20. Januar 2010
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Liebe Jana,
Bernice schrieb: Das sind starke Worte. Das kann man wohl sagen. Was mir auffällt bei deinem Beitrag ist, daß du von verschiedenen Menschen sprichst. Der Egoist, der Zornige, der Eifersüchtige, böse Frauen ect. Ich habe in meinem Leben erfahren, daß jeder Mensch zu jeder Sünde fähig ist. Sicherlich gibt es Menschen, die wesentlich schneller zornig werden als andere. Was mir nicht gefällt, ist, daß du einen Menschen als den Zornigen, den Eifersüchtigen ect benennst. Ein Mensch kann zornig werden, eifersüchtig sein, launisch sein. Aber das ist nicht seine Grundeigenschaft. Er kann auch anders sein. Außerdem gibt es ja immer Gründe, warum einer im Moment so ist. Nein, nicht ist, sondern fühlt muß man sagen. Wenn ich sage : er ist ein zorniger Mensch, dann drücke ich ihm einen Stempel auf. Wenn ich sage: dieser Mensch ist im Moment zornig aus Gründen, die ich vielleicht nicht kenne,drücke ich ihm keinen Stempel auf, sondern beschreibe lediglich den momentanen Zustand. Wenn ich einem Menschen nämlich einen grundsätzliche Stempel aufdrücke, stehe ich selbst in der großen Gefahr mich für besser zu halten. Und das mag Christus nun garnicht wie wir alle wissen. In der Bibel ist der Zorn keineswegs verdammt, sondern es steht geschrieben, daß man im Zorn nicht sündigen soll. Dazu reißt der Zorn einen Menschen ganz schnell hin. Wieviele Menschen sind schon im Zorn erschlagen worden. Hinterher versteht der zornige Totschläger sich selbst nicht mehr und zerfließt oft in Reue. Warum? weil er zornig war und sich im Zorn zu Taten hat hinreißen lassen, die seinem Naturell nicht entsprechen. Wer auf gar keinen Fall zornig werden kann,dem kann man auch unterstellen, daß er auch nicht lieben kann. Liebe, Hass und Zorn liegen nicht weit auseinander. Wer sich jedes Gefühl unterdrückt wird zum Heuchler. Ich mache keine Reklame für den Zornausbruch, aber passieren kann jedem alles. Wohl dem, der dann nicht sündigt.

Liebe Grüße Manfred
waeltwait
Bernice schrieb am 20. Januar 2010
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Das sind starke Worte. Danke!
Bernice