Ich lese in letzter Zeit immer mehr Beiträge, die Gott und Maria in höchstem Maße loben und verehren. Mir stellt sich da die Frage: Ist es nicht die höchste Verehrung, wenn wir uns ernsthaft bemühen so zu sein, daß Gott in uns wohnen will und wirken kann ? Wo ist Gott, wenn nicht in seinen Abbildern, uns Menschen. Das was Jesus an den frommen Juden so hart kritisiert hat ist doch,daß sie Gott in höchstem Maße priesen und dann außerhalb des Tempels und der Gebetszeiten taten was sie wollten. Es gibt bei Gott keine friedliche Coexistenz der verschiedenen Willen. Ich, als ich, kann gut und gerne und leicht Gott in höchsten Tönen loben und, wenn dann die Sprechstunde Gottes vorbei ist, tue ich doch wieder meinen Willen, ob es Gott gefällt oder nicht. Wenn wir uns täglich 24 Stunden lang bemühen Gottes Willen zu tun, dann ist das die höchste Verehrung. Verehrung durch die Tat und dann erst durch das Wort. Es könnte sonst sein, daß meine Lobesgesänge Gott sehr mißfallen.
Da es uns aber in den seltesten Fällen gelingt so zu leben, daß Gott auf Dauer Einzug hält in jede einzelne Seele, hat Jesus diesen Wunsch und Willen des Vaters für uns erfüllt. Wer sich also an Christus hält und sich zumindest ernsthaft bemüht den Willen des Vaters zu tun für den gelten die Worte Jesu: Kommt alle her, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Wer sich aber nicht bemüht und ihm die Freiheit seines Willens als höchstes Gut gilt, wie will der in ein Reich eingehen von dem zu lesen ist: Jedes Reich, welches in sich uneins ist zerfällt. Im Reiche Gottes herrscht Einigkeit und keine friedliche Coexistenz. Nach dem Motto: Erfüllst du mir erstmal meinen willen oh Herr, dann erfülle ich dir auch deinen Willen, auch wenn es mich noch so anwidert. Nein!! So kann das Reich Gottes nicht aussehen. Und was ist der Motor für diese Einigkeit ? Es kann nur die Liebe sein. Die Liebe zu allem was da ist.
Was aber ist die Aufgabe des Menschen in dieser komplizierten und beschwerlichen Welt. Es ist eigentlich ganz einfach. Gott in seiner Dreifaltigkeit und alles was Gott geschaffen hat zu lieben. Das Leben, welches Gott ist und von Gott ausgeht liebend zu erhalten, zu pflegen, zu mehren und zu verschönern. Das ist meiner Meinung nach die Aufgabe eines jeden Menschen. Davon ist keiner ausgenommen. Und dies tut jeder auf seine ganz eigene spezifische Art gemäß seiner Talente und auch seiner Neigung. Jeder ist anders geartet, sonst würde das Leben hier auf dieser Erde vielleicht schnell langweilig. Aber zur Liebe sind wir durch Gott/Christus alle berufen. Die einzelnen speziellen Berufungen gegeneinander auszuspielen ist mit einer der dümmsten Dinge, die ein Mensch tun kann. Der einzelne mag alles sein, aber ein Anwalt Gottes für Gerechtigkeit in dieser Welt ist der Einzelne bestimmt nicht. Anwalt Gottes ja, aber dann hat Gott diese Anwaltschaft der ganzen Kirche übertragen. Der einzelne Mensch, der durch die Erbsünde getrennt von Gott lebt bis zu diesem Zeitpunkt wo Gott ihn zu sich heimholt ist viel zu eitel, weil er auf seine Person bezogen denkt und lebt, als daß er Gottes Anwalt sein könnte. Er wäre hoffnungslos überbeansprucht.
Dann ist in den Beiträgen hier im KS wieder oft die Rede davon, daß Gott auch hart strafen kann und wird. Da werden wieder Zeigefinger erhoben. Da wird wieder Angst gesäht. Da wird mehr vom Bösen und vom Unheil was über uns Menschen kommt gesprochen als von der Liebe Gottes zu uns Menschen. Trotzdem daß wir Sünder sind. Gott will, wo es möglich ist alle Menschen heimholen zu sich ins Leben. Nur der sich nicht heimholen lassen will, wird das Leben verpassen, denn in ihm ist kein eignes Leben.
Da ist oft der Ruf nach göttlicher Gerechtigkeit. Es sollte jeder wissen und sich immer bewußt halten, daß die Gerechtigkeit Gottes auf denn Menschen übergegangen ist, das heißt, daß im prinzip nicht Gott richtet sondern der Mensch. Er hat sein Schicksal in eigener Hand, denn: so wie du mißt, wirst du gemessen. Der Mensch muß sich an sich selbst messen lassen nicht an den Vorstellungen Gottes. Denn wir erreichen es ja doch nie untadelig nach Gottes Vorstellungen zu leben. Könnten wir das noch nach dem Sündenfall, hätte Christus uns nicht erlösen brauchen.
Es gibt hier im KS Menschen, ( so mein Gefühl) die eben andere an diesen Idealen messen. Das sollten sie ausschließlich für sich machen. Vielleicht erkennen sie dann, daß sie selbst nicht ihren eigenen Ansprüchen genügen und auf diesem Wege vielleicht oder sehr wahrscheinlich keinen Anteil haben werden am Leben. Für alle anderen hat Christus die Zeche bezahlt.
Bitten wir um Demut, Verzeihung, Hilfe und Liebe.