Sonntagschristen

Ein Wort, das mir immer häufiger begegnet – Sonntagschristen. Wer ist dieser „Sonntagschrist“ überhaupt?Wohlwollend mit einem Blick in den Katechismus vielleicht Menschen, die dem Gebot folgen jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. Leider empfinde ich diesen Begriff oft nicht wohlwollend gedacht. Begleitet wird er von Assoziationen: Christen, die nur halbe wären, welche, die lernen müssten, getauft zu sein, die noch keinen erwachsenen Glauben hätten, eben Menschen, die nur Sonntags in die Kirche gingen, deren Leben – nach Einschätzung derer, die großzügig ihre Mitchristen als Sonntagschristen herabsetzen – nicht „rundum spirituell“ wäre. Es ist unsere Pflicht, diese vermeintlichen Sonntagschristen zu verteidigen. Gegen jene „spirituellen Überflieger“, die oft noch gar nicht selbst lange Christen sind oder trotz ihrer Taufe fern von Gott lebten, die nun „den Splitter in den Augen“ ihrer Brüder und Schwestern sehen, weil sie ihren Balken nicht erkennen können. Sie glauben, andere Christen herabzusetzen, manchmal ganze Gemeinden, wäre mit einem guten Christsein zu vereinbaren. Es mag sein, dass es ein Schuldgefühl gegenüber Gott ist, weil man selbst lange von Gott fern war, nun in besonderer Weise die Richtlinie vorgeben zu dürfen, nach der sich andere richten müssten. Zu glauben, beim Herrn besser dazustehen, wenn man das Christsein anderer bewerte. Ein fragwürdiger Liebesbeweis. Dabei können wir Menschen so viel von diesen vermeintlichen Sonntagschristen lernen. Oft sind es Menschen, die seit Jahrzehnten jeden Sonntag in die Kirche gehen, die treu diesem Kirchengebot folgen. Die in Regimen wie der DDR trotz aller widrigen Umstände ihr Christsein lebten. Gott segne die Sonntagschristen ! Sind sie doch ein Beweis für Kontinuität und Stärke im Glauben. Die spirituellen Überflieger könnten von diesen Menschen lernen, was es heißt, einen gesetzten Glauben zu leben, Gott als Lebensgrundlage zu sehen, sich in ihm aufgehoben zu fühlen und sich von ihm tragen zu lassen. Das ist die Mitte der katholischen Kirche – ihr Herz. Freilich, das mag nicht so spannend und begeisternd sein wie irgendwelche psychologisch forcierten Gruppenerlebnisse oder emotional aufgeladenen Events. Aber das ist, wo wir Menschen Gott finden können, in einer Glaubenskontinuität, die einen Menschen über Jahrzehnte tragen kann. Die Gemeinde ist kein leeres Gefäß, wie es manche Protagonisten den Menschen gerne vermitteln wollen, um ihr „Produkt“ an den Mann oder die Frau zu bringen. Im Gegenteil, die Ortskirche, die Gemeinde, ist der direkte Wille Gottes. Lernen wir von den Menschen, die seit Jahrzehnten treu im Glauben stehen.

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