Papst: Das Alter ist keine Krankheit

Hände von alten Menschen

Papst bezeichnet ältere Leute als „Weisheitsreserve“.

Und wieder das Thema Familie: Papst Franziskus widmete die Generalaudienz an diesem Mittwoch den Großeltern und den Senioren. Er appellierte an die Gesellschaft, Platz zu schaffen für die älteren Menschen, die er als „Weisheitsreserve“ bezeichnete. Auch kritisierte Franziskus die sich immer verschärfende Mentalität des Wegwerfens, die gerade die Schutzbedürftigen ausschließe; viele Menschen verhielten sich so, weil sie selbst Angst davor hätten, eines Tages schutzbedürftig zu werden.

Harte Wörter fand Papst Franziskus heute am Petersplatz für unsere heutige Gesellschaft, eine „perverse Gesellschaft“. Dank des medizinischen Fortschrittes lebten wir länger. Aber die Gesellschaft habe sich nicht „erweitert“ für das lange Leben. Vielmehr werde das Alter wie eine Krankheit behandelt. Die älteren Menschen seien jedoch eine Bereicherung für uns, betonte Franziskus, die nicht ignoriert werden könne. Der Papst berief sich auf Benedikt XVI., der in einem Altersheim (12.11.2012) sagte, dass die Qualität einer Gesellschaft daran gemessen werden könne, wie ältere Menschen behandelt werden.

„Gibt es in einer Zivilgesellschaft die Aufmerksamkeit für einen alten Menschen? Gibt es Platz für einen alten Menschen? Dann wird diese Kultur weiterleben, denn sie weiß, was es heißt, die Weisheit zu respektieren, das Wissen der älteren Menschen. In einer Kultur, in der es keinen Platz für die Älteren gibt, wo sie entsorgt werden, weil sie Probleme schaffen…diese Kultur trägt in sich den Virus des Todes.“

Papst Franziskus verurteilte diese Kultur des Ausschlusses. Älteren Menschen könnten nicht mehr mithalten mit der unmenschlichen Leistungsgesellschaft. Es sei „hässlich zu sehen, wie ältere Menschen entsorgt werden. Das ist eine hässliche Sache, das ist eine Sünde!“

In einer Anekdote erzählte Papst Franziskus von einem Dialog in einem Altersheim, den er selbst so gehört habe: Eine Frau erhielt acht Monate lang keinen Besuch von ihrer Familie.

„Acht Monate ohne von den Kindern besucht zu werden, acht Monate verlassen. Das nennt man Todsünde.“

Der alte Mensch, die Älteren seien keine Außerirdischen, betonte Papst Franziskus. Wir sind sie, die Alten. Wir werden sie bald sein, früher oder später. Das sei unvermeidbar. Und wenn wir nicht lernen, die Älteren unserer Gesellschaft mit Würde zu behandeln, werden auch wir dieselbe Behandlung erfahren. In Bezug auf diese These erzählte Papst Franziskus noch eine weitere Anekdote, die er selbst von seiner Großmutter hörte über einen Großvater ,der nicht mehr richtig essen konnte und sich beim Suppenessen anpatzte:

„Der Sohn – der Familienvater – hatte beschlossen, ihn vom Familientisch in die Küche zu versetzen, an einen eigenen Tisch. Dort konnte man ihn nicht sehen, er aß dort allein. So musste sich der Mann nicht schämen für seinen eigenen Vater, wenn Besuch kam. Wenige Tage später kam der Familienvater nach Hause und sah seinen eigenen Sohn mit Hammer und Nagel. Er fragte ihn, was er da mache. Und der Junge antwortete: ‚Ich baue einen Tische, Vater! Einen Tisch für dich, wenn alt wirst, damit du essen kannst.“ Die Kinder haben mehr Gewissen als wir.“

Am kommenden Mittwoch wird sich Papst Franziskus mit den positiven Aspekten der Großeltern beschäftigen, kündigte er an.

(rv 04.03.2015 no)

Die Veröffentlichung von Nachrichten des Radios Vatikans auf Kathspace erfolgt mit freundlicher Erlaubnis von Pater Bernd Hagenkord, © Radio Vatikan.

 

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