Papst entwirft Leitbild der Theologie: „Nicht nur am Reißbrett“

Der Gute Hirte, Jesus Christus

Gute Theologen haben – wie gute Hirten – den Geruch „nach Volk und Straße“

Gute Theologen haben – wie gute Hirten – den Geruch „nach Volk und Straße“. Das schreibt Papst Franziskus in einem Brief an den Großkanzler der Katholischen Universität Argentiniens, Kardinal Mario Aurelio Poli; Anlass ist das hundertjährige Bestehen der Theologischen Fakultät an dieser Universität. Franziskus, der in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires bis März 2005 selbst Großkanzler dieser Universität war, entwirft in dem Brief seine Vision einer zeitgenössischen Theologie.  Dabei warnt er vor einer Theologie, die wie „wie aus einem Schloss aus Glas“ auf die Welt blickt und sich in akademischen Debatten erschöpft. „Man lernt fürs Leben“, schreibt der Papst, denn: „Theologie und Heiligkeit sind ein unauflösliches Binom.“

In der Vorstellung des Papstes muss die Theologie in der Offenbarung und der Tradition verwurzelt sein, „aber auch die kulturellen und sozialen Prozesse begleiten, besonders die schwierigen Übergänge“. Für den argentinischen Papst – der selbst ein Lizentiat, aber kein abgeschlossenes Doktorat hat – ist Theologie nicht bloß Nachdenken über die Dinge des Glaubens: „In dieser Zeit muss sich die Theologie auch der Konflikte annehmen, nicht nur jener, die wir innerhalb der Kirche erfahren, sondern auch jener, die die ganze Welt betreffen“. Wer Theologie betreibe, solle sich nicht mit einer „Theologie am Reißbrett“ begnügen: „Euer Ort des Nachdenkens sollen die Grenzen sein. Und tappt nicht in die Versuchung, sie zu lackieren, zu parfümieren, sie ein wenig aufzuhübschen und zu zähmen. Auch die guten Theologen riechen, so wie die guten Hirten, nach Volk und nach Straße und salben die Wunden der Menschen mit Öl und Wein.“

Franziskus wünscht sich die Theologie als Verbündete einer Kirche, „die Feldlazarett ist“, die „ihre Sendung des Heils und der Heilung in der Welt lebt.“  Barmherzigkeit sei nicht nur eine seelsorgerliche Haltung, sondern „die Substanz des Evangeliums von Jesus“. Der Papst ruft alle Disziplinen der Theologie – Dogmatik, Moraltheologie, Spiritualität, Kirchenrecht und alle anderen – dazu auf, zu untersuchen, wie sich in ihnen die Zentralität der Barmherzigkeit spiegeln könne.

Wie sehen also die zukünftigen Theologen und Theologinnen aus, die an der Katholischen Universität Argentiniens ausgebildet werden? „Sicher keine Museumstheologen“, schreibt der Papst. Ein Theologie sei keiner, „der Daten und Informationen über die Offenbarung sammelt, ohne wirklich zu wissen, was er damit anstellt.“ Kein „Intellektueller ohne Talent, kein Ethiker ohne Güte oder ein Bürokrat des Heiligen.“ Stattdessen sollen ausgebildete Theologen und Theologinnen dazu in der Lage sein, „rund um sich selbst Menschlichkeit aufzubauen und die göttliche christliche Wahrheit in einer wahrhaft menschlichen Dimension zu vermitteln“.

Der Brief des Papstes in seine argentinische Heimat ist auf den 3. März datiert; der Vatikanische Pressesaal hat ihn am Montag veröffentlicht. Der Empfänger des Briefes, Kardinal Poli, ist Erzbischof von Buenos Aires und in diesem Amt Nachfolger des Papstes.

(rv 10.03.2015 gs)

Die Veröffentlichung von Nachrichten des Radios Vatikans auf Kathspace erfolgt mit freundlicher Erlaubnis von Pater Bernd Hagenkord, © Radio Vatikan.

 

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